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DVR Vorstandsbeschluss 2012

 

 


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Motorrad- und Motorrollerfahrer gehören zu den am stärksten gefährdeten Verkehrsteilnehmern. Im  Jahr 2011 sind 708 Biker auf deutschen Straßen ums Leben gekommen, ein Anteil von 17,6 Prozent an allen im Straßenverkehr Getöteten. Die Ursachen für die Unfälle sind sehr unterschiedlich und es können vielfältige Maßnahmen gegen die Gefährdungen für Motorradfahrer ergriffen werden >>>

 

 

DVR-Umfrage: Gefahren für Biker werden unterschiedlich eingeschätzt

 

 

Drastische Zunahme bei den Motorradunfällen“, „Zahl der bei Unfällen getöteten Motorradfahrer gestiegen“ – das waren Meldungen, die im Frühjahr 2007 durch die Presse gingen. Mittlerweile liegen die Zahlen für den weiteren Verlauf des Jahres vor: Nachdem in den Monaten März bis April, in denen außergewöhnlich warme Temperaturen die Biker in Scharen auf die Straßen lockten, zunächst ein erheblicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war, hat sich dies im weiteren Jahresverlauf relativiert. Dennoch blieb eine Zunahme bei den Personenschäden: Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2007 war bei den Verletzten gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg von 4,8 Prozent und bei den Getöteten ein Plus von 5,3 Prozent zu verzeichnen. Für Matthias Haasper, Forschungsleiter beim Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen, stellt dies keine Trendwende dar: „Betrachtet man den Langzeittrend der verunglückten Motorradfahrer, so haben sich die Zahlen innerhalb der letzten 20 Jahre um ein Drittel reduziert, während sich der Bestand verdreifacht hat. Hierbei unterliegen die Unfallzahlen natürlich zwischenzeitlichen Schwankungen. Im Vergleich zu 2006, dem historischen Tiefstand in der Entwicklung der Verunglücktenzahlen, ist das Unfallgeschehen der Motorradfahrer in 2007 zwar leicht erhöht, liegt aber immer noch im Trend.“

Etwa vier Millionen Motorräder bewegen sich zurzeit auf Deutschlands Straßen, hinzu kommen knapp zwei Millionen Kleinkrafträder. Motorradunfälle haben einen Anteil von zehn Prozent an allen Straßenverkehrsunfällen mit Personenschaden, Motorradfahrer stellen 17 Prozent aller im Straßenverkehr getöteten Personen. Etwa ein Viertel der Motorradunfälle sind Alleinunfälle. Dabei spielt die nicht angepasste Geschwindigkeit eine wichtige Rolle, die in mehr als der Hälfte aller Alleinunfälle von der Polizei als Unfallursache angegeben wird. Knapp ein weiteres Viertel der Motorradunfälle sind solche, die vom Motorradfahrer verursacht werden und an denen andere Verkehrsteilnehmer beteiligt sind. Neben nicht angepasster Geschwindigkeit werden hier mangelnder Sicherheitsabstand sowie Fehler beim Überholen als häufigste Ursachen genannt. Etwas mehr als die Hälfte der Unfälle mit Personenschaden, die von der Polizei aufgenommen werden, wird nicht vom Motorradfahrer, sondern von einem anderen Verkehrsteilnehmer verursacht. Ursachen sind in erster Linie die Missachtung der Vorfahrt sowie Fehler beim Abbiegen, Wenden, Ein- oder Anfahren.

Im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatten Unfallforscher bereits vor einigen Jahren in einer Studie Kollisionen zwischen Pkw und Motorrädern untersucht. Dabei wurden inner- wie außerorts Kreuzungssituationen, die Begegnung mit Linksabbiegern sowie die Kollision mit wendenden Fahrzeugen als besonders gefahrenträchtig ermittelt. Außerorts kommt es auch im Kurvenbereich sowie beim Überholen zu Kollisionen. Die Erkenntnisse sind in die Broschüre „Gefährliche Begegnungen“ eingeflossen, die das ifz jüngst in einer neuen, überarbeiteten Auflage herausgegeben hat.

Offenbar nehmen Auto- und Motorradfahrer Gefahren des Straßenverkehrs unterschiedlich wahr. Dies zeigt eine vom DVR in Auftrag gegebene repräsentative Befragung von 2.000 Bundesbürgern: „Wo liegen die größten Gefahren für Motorradfahrer?“ lautete die Frage, die sowohl Auto- als auch Motorradfahrern gestellt wurde. Etwas mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent der Motorradfahrer glaubt, dass die Gefahrenquellen im Straßenverkehr von den Motorradfahrern selbst ausgehen. Bei den Fahrern anderer Fahrzeuge glauben dies fast drei Viertel (72 Prozent). Umgekehrt sieht sich jeder zweite Motorradfahrer (46 Prozent) durch andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. Von den Fahrern anderer Verkehrsmittel sieht diese Gefahr nur jeder Vierte (27 Prozent). Man kann also durchaus sagen, dass die Gefahreneinschätzung der Motorradfahrer in Bezug auf motorradspezifische Unfallursachen eher der Realität entspricht als die der Autofahrer.

Interessant auch, dass nur jeder dritte Autofahrer in Straßenglätte oder Schmutz große Gefahren für Motorradfahrer sieht (bei den Zweiradfahrern sind es über 40 Prozent). Bei der Gestaltung von Straßen dürfen die Belange von Motorradfahrern nicht vergessen werden: ungünstige Kurvenverläufe, Sichtbehinderungen, Frostaufbrüche, Bitumenflickstellen und nicht entschärfte Leitplanken können für Motorradfahrer schwerwiegende Folgen haben. Unter Beteiligung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und unter Mitwirkung von Motorradfahrerorganisationen hat die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) ein neues Merkblatt für die Gestaltung von Motorradstrecken entwickelt, das diese Punkte ausführlich darstellt und den Straßenverkehrsbehörden zur Verfügung stellt.

Motorradfahren ist anders als Autofahren. Der Balanceakt auf zwei Rädern, das direkte Spüren der Fahrdynamik, die unmittelbare Begegnung mit der Natur und der Witterung macht für viele Menschen den besonderen Reiz dieses Fahrzeugs aus. Motorradfahren kann Entspannung sein. Für manche ist es jedoch auch eine Herausforderung. Dr. Hartmut Kerwien, Diplom-Psychologe und Moderatorenausbilder beim DVR, sieht bei Motorradfahrern durchaus Motive, wie man sie auch von anderen Risiko-Sportarten wie Bergsteigen, Wildwasser, Kanu oder Drachenfliegen kennt: „Für diese Fahrer gehören das Meistern schwieriger Situationen sowie das Austesten der fahrphysikalischen und persönlichen Leistungsgrenzen unbedingt zum Erlebnis Motorrad.“

Hinzu kommt, dass bei Motorrädern eine Verbesserung der passiven Sicherheit anders als im Pkw-Sektor kaum festzustellen ist. Zwar wurden positive Ergebnisse mit der Gestaltung optimierter Motorradverkleidungen oder dem experimentellen Einsatz von Airbags gemacht. Dennoch sind in erster Linie Helm und Schutzbekleidung die Knautschzone des Motorradfahrers. Um so wichtiger, hier den Motorradfahrern die nötigen Kenntnisse zugänglich zu machen. In der neuen Broschüre des ifz „Von Kopf bis Fuß“ werden die Fakten rund um die Schutzkleidung anschaulich präsentiert.

Einen positiven Effekt versprechen sich Unfallforscher auch von der zunehmenden Verbreitung des Motorrad-ABS. Nach Ansicht des ADAC könnten rund 100 getötete Motorradfahrer pro Jahr in Deutschland noch leben, wenn ihr Motorrad mit ABS ausgestattet gewesen wäre. Auch viele Unfälle mit Verletzen und Sachschäden könnten so vermieden werden. Dank ABS lassen sich heute selbst auf nasser Fahrbahn Verzögerungswerte bis über acht m/s2 erreichen. Ein Wert, den kaum ein Viertel aller Motorradfahrer ohne ABS-Unterstützung bei Trockenheit schafft. Mittlerweile haben die meisten Hersteller Modelle mit ABS in ihrer Modellpalette. Schätzungen gehen davon aus, dass jedes fünfte neu zugelassene Motorrad mit dieser Technik ausgerüstet ist. Für den Auto Club Europa (ACE) geht das nicht weit genug: der ACE forderte jüngst die serienmäßige Ausstattung von Motorrädern mit ABS.

Motorisierte Zweiräder werden auch für den Arbeitsweg benutzt. Bei den meldepflichtigen Straßenverkehrsunfällen sind sie nach Auskunft der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mit 7,5 Prozent beteiligt, bei den neuen Renten mit fast 15 Prozent. Dies liegt deutlich über dem Anteil, den motorisierte Zweiräder am Berufsverkehr haben. Somit sind Motorradfahrer auch eine wichtige Zielgruppe für die betriebliche Verkehrssicherheitsarbeit. Um den Unfallzahlen entgegenzuwirken, präsentierte die Bergbau-Berufsgenossenschaft 2007 gemeinsam mit ihren Partnern bereits zum dritten Mal das „Faktor 7-Festival“: Mit Vorführungen, Informationen und Aktionen werden im Zwei-Jahres-Rhythmus jeweils zum Saison-Auftakt Motorradfahrer für das Thema Sicherheit sensibilisiert. Dabei werden auch Auto-, Radfahrer und Fußgänger angesprochen. „Man kann immer etwas dazulernen, um das persönliche Verhalten im Straßenverkehr zu optimieren“, erklärt Heinz Rütjes, Sicherheitsexperte der Bergbau-Berufsgenossenschaft. Mittlerweile sind neben dem DVR auch die Berufsgenossenschaften Einzelhandel, Maschinenbau, BAHNEN, Bergbau, Steinbruch sowie die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft mit im Boot. Im Rahmen von „Faktor 7“ werden den Versicherten auch spezielle Sicherheitstrainings angeboten, zum Teil in Kombination mit einer geführten Ausfahrt über Landstraßenstrecken, um so zweiradspezifische Gefahrenpunkte unmittelbar in Augenschein zu nehmen.

Foto : DVRSolche Ideen kommen an, denn Sicherheit steht bei Motorradfahrern hoch im Kurs. Dies belegt auch die Trainingsbroschüre, die mit Unterstützung des Verkehrsministeriums gemeinsam von DVR und ifz herausgegeben wird. Bei Vertragshändlern oder als Download im Internet können sich Biker hier bundesweit über das Trainingsangebot informieren. Über 2.500 Kurse bei insgesamt etwa 80 Anbietern, die sich an den Richtlinien des DVR zum Motorrad- Sicherheitstraining orientieren, werden hier übersichtlich aufgelistet. Die Broschüre erweist sich somit als Erfolgsmodell, nachdem sie vor 15 Jahren in der ersten Auflage mit 700 verzeichneten Terminen gestartet war. Auch weiterhin sind noch viele Anstrengungen nötig, damit der Reiz des Motorradfahrens erhalten, das Risiko aber minimiert werden kann.

 

 

DVR: Maßnahmen zur Reduzierung der Motorradunfälle

 

 

Zu hohe Geschwindigkeit, Fehler beim Überholen, zu geringer Abstand, Selbstüberschätzung – es sind immer wieder dieselben Ursachen, die zu Motorradunfällen führen. Dagegen wollen der DVR und die Unfallforschung der Versicherer (GDV) etwas tun. Mit Unterstützung der Fach-Zeitschriften „Tourenfahrer“ und „Motorradfahrer“ wurde für die kommenden drei Jahre die „German Safety Tour“ ins Leben gerufen. Schirmherr der Kampagne ist Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Der Startschuss für das erste Training erfolgt am 17./18. Mai 2008 in Dortmund. Ziel der Verkehrssicherheitskampagne ist es, die steigende Zahl der Motorradunfälle zu verringern. Für die wirksame Bekämpfung der häufigsten Unfallursachen ist es dringend erforderlich, sicheres und vorausschauendes Fahren im Straßenverkehr zu üben. Dazu wird die „German Safety Tour“ pro Jahr in zehn deutschen Städten Station machen und jeweils zehn Biker im Realverkehr schulen. Die Teilnahme wird über ein Online-Spiel ausgelobt. Zum Abschluss werden aus allen Teilnehmern der Sicherheitstour Gewinner ermittelt. Sie bilden das „German Safety Team“ und nehmen an einer mehrtägigen Erlebnistour in Südeuropa teil.

Mit der sehr erfolgreichen ehemaligen Motorradrennfahrerin Katja Poensgen wird die Verkehrssicherheitskampagne zudem prominent und kompetent unterstützt.

Darüber hinaus führt der DVR – gefördert durch das Bundesverkehrsministerium – mehrere Maßnahmen durch, um den gestiegenen Motorradunfällen entgegenzuwirken. In Kinos und Gaststätten werden Gratispostkarten verteilt, die auf das Unfallrisiko von Motorradfahrern aufmerksam machen. Eine Webseite bietet eine Plattform für Hintergrundinformationen und Sicherheitstipps. In Kooperation mit dem Institut für Zweiradsicherheit (ifz) und der Zeitschrift „Motorrad“ wurde eine informative Broschüre mit dem Titel „Motorradfahren – gut und sicher“ entwickelt, die als Beilage über die Zeitschrift verteilt wird. Die Broschüre liefert nützliche Tipps für den Alltag, von der Fahrtechnik über das richtige Bremsen und die sichere Bekleidung von Kopf bis Fuß bis hin zu Fahrsicherheitstrainings, und kann in Einzelexemplaren gegen Übernahme der Versandkosten über den DVR bestellt werden.
© / Quelle : DVR-Report 1/2008. Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des DVR

 

 

Private Unfallversicherung: Wann sie sich lohnt und wer sie abschließen sollte!

 

 

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(c) Foto:  Franz P. Sauerteig auf Pixabay.com

 

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