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Erste Motorrad-Halbschalenhelme gab es auch bald. Augenfälliger Unterschied zur Lederkappe war die glatte und feste Außenschale. Sie bestand aus einem verklebten oder harzverstärkten Leinen- oder Papiermaterial. Im Volksmund auch als Pappmache bezeichnet. Diese "Eierschale" sollte das Durchdringen fester Gegenstände verhindern. Für die eigentliche Stoßdämpfung war je nach Helmtyp der Innenbereich mit einer dünnen Lage aus Kork oder Filz ausgeschlagen und zusätzlich mit einem Kreuzband aus stabilem Baumwollgewebe versehen. Den Kopf nahm die "Wiege", eine nach oben offene Baumwollmütze auf. Je nach Kopfgröße ließ sich die Passgenauigkeit über eine Schnürung verstellen. Ein Nackenschutz und Kinnriemen aus Leder sicherten den guten Halt auf dem Kopf. Viel Sicherheit hatte die "Knalltüte" allerdings noch nicht zu bieten. Erlitt der Akteur Bodenkontakt und schlug mit dem Helm hart auf die Fahrbahn auf oder prallte mit ihm gegen ein Hindernis, konnte es durchaus passieren, dass die Außenschale wie Glas zerbrach. Ungeachtet dieses Mankos wurde im Straßenrennsport, im Speedway und bei den Sandbahnrennen die "Helmpflicht" eingeführt. Bei Zuverlässigkeitsfahrten, Gelände- oder Trialveranstaltungen begnügte man sich weiterhin mit den Woll- oder Lederkappen.
"Schirmkappe für die Herrenfahrer" Das gewöhnliche Volk auf der Landstraße war erheblich anspruchsloser. Entweder fuhr man "oben ohne", oder man stülpte sich eine Wollmütze oder Schirmkappe über. Wollte man die Maschine mal voll ausfahren, wurde die Mütze mit der Schirmseite einfach nach hinten gedreht. So war die Kopfbedeckung spielend "100-mph-fest"! Bessergestellte Kraftradfahrer trugen weiße Leinen- oder schicke Lederhauben.
Ernsthafte Konkurrenz bekamen die elastischen Kopfbedeckungen erst Mitte der 30er Jahre. Alois Drax aus München brachte einen für jedermann käuflichen Schutzhelm mit Hartschale auf den Markt. Gut 20 Jahre war für die sportbegeisterten Motorradfahrer die "Drax-Halbschale" das Maß der Dinge. Tauchte irgendwo ein Sportsfreund mit solch einem "Sturzhelm" auf dem Kopf auf, wurde er von seinen Artgenossen jedoch mitleidig belächelt und sogar als Spinner oder Angeber links liegen gelassen. Mit diesen "Rennfahrern" wollten die erfahrenen Windgesichter nichts zu tun haben.
"Cromwell", die Helmlegende An dieser Einstellung änderte sich in den nächsten Jahren wenig. Auch nicht, als nach dem Zweiten Weltkrieg das "Helmtragen" richtig in Mode kam. Dieser Trend kam aus England und hieß Cromwell. Die feste Außenschale des Cromwell-Halbschalenhelms war aus "Vulkan-Fiber" gefertigt. Im Vergleich mit früheren Mustern war die Außenschale längst nicht mehr so bruchgefährdet.
Trotz des immensen Sicherheitsgewinnes teilte sich die Zweiradzunft auch weiterhin in zwei Lager. Die einen lehnten kategorisch das Tragen eines Schutzhelms ab. Andere hatten Rennfahrer als Vorbilder. Genau wie Mike Hailwood, Giacomo Agostini, Jim Redman oder Phil Read, um hier nur vier mehrfache Weltmeister zu nennen, steckten sie ihre Birne in den englischen Hut. Als Augenschutz bevorzugte man Brillen von Fospaic, Monza oder Climax und als Zeichen der Kameradschaft trug man den "gelben Schal". Ob im Rennsport oder Straßenverkehr, der Cromwell war bald nicht mehr wegzudenken. Manche Motorradfahrer bevorzugen noch heute die klassische Schüssel...Jim Redman, Honda-Werksfahrer und sechsfacher Weltmeister.
"Styropor als Stoßdämpfer" Eine entscheidende Helmweiterentwicklung gelang der Firma Schuberth. Im Juni 1954 ließ Schuberth eine "Elastische Innenauskleidung, insbesondere für einen Motorrad-Schutzhelm" patentieren. Zwischen der Helminnenwandung und der Tragekonstruktion hatten die Vordenker von Schuberth eine Kalotte aus 15 bis 20 Millimeter starken, stoßdämpfenden Kunststoff eingearbeitet.
Bei Schlägen oder Stößen auf die Außenschale wurde ein Großteil der Energie von der Styropor-Kalotte aufgenommen und somit die Kreuzbänder weniger belastet. Eine Verletzungsgefahr des Kopfes ließ sich durch diese Erfindung deutlich reduzieren. Im Rennsport war das Tragen eines Schutzhelmes von der FIM und OMK inzwischen zwingend vorgeschrieben, im öffentlichen Verkehr brauchten die Kradler dagegen keinen aufsetzen. Auch eine Normung, aus der die Hut-Qualität ersichtlich war, gab es nicht. Neben der bekannten Halbschale kam in den 60er Jahren der Jet-Helm auf den Markt. Dieser Helm stammte ursprünglich von Düsenjäger-Piloten, hatte sich aber bereits im Autorennsport etabliert. Anders als bei der "Schüssel" reichte bei diesem Hut die Außenschale bis über die Ohren und bot somit erheblich mehr Sicherheit. Je nach Ausführung war ein kleines Windschild oder sogar ein Visier am Helm befestigt.
Die Innenausstattung orientierte sich an bekannten Ausführungen. Anfang der 50er Jahre gab es erstmalig die Cromwell-Halbschale aus duroplastischem Kunststoff, in diesem Fall aus GfK (glasfaserverstärktes Polyesterharz). Das Außenmaterial bestand aus mehreren Schichten Glasfasergewebematten, die mit Kunstharz getränkt waren. Die GfK-Schale wurde handlaminiert und zeigte hervorragende Eigenschaften. Sie war außergewöhnlich stabil, unempfindlich gegen Witterungseinflüsse und Lösungsmittel, ließ sich individuell lackieren und nach Lust und Laune mit Aufklebern dekorieren.
Text/Bilder mit freundlicher Genehmigung der Gruppe Motorsport der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestage. e.V
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