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Montvernier Serpentinenstraße & Col du Glandon

 

 

 

 

 

 

Die ersten Sonnenstrahlen klettern langsam über die Gipfel der umliegenden Berge und verkünden den neuen Tag. Der morgendliche Dunst schwebt im Gegenlicht über den Hängen von Vaujany. Wunderschön. Die Straße ist noch feucht, als wir erneut dem Col de la Croix de Fer entgegenfahren. Schafherden ziehen über die Berghänge und einzelne Tiere versperren sogar unseren Weg. Kleine weiße Wolken hängen über den Bergrücken und gleißende Gletscher funkeln im Hintergrund. Kitschig wie auf einer Postkarte.

 

 

Montvenier Serpentinenstrasse

 

 

Wenige Kilometer vor St-Jean-de-Maurienne verlassen wir die D926 und streben dem Skigebiet „Le Corbier“ und dem Pass La Toussuire (1.056m) zu. Der Übergang ist zwar nicht so bekannt wie die nahe gelegenen Pässe Galibier und Glandon, war aber immerhin schon Ziel einer Etappe der Tour de France. Die Auf- und Abfahrt bietet nur wenige landschaftliche Reize. Ein Erlebnis der abschreckenden Art ist jedoch der Ort Le Corbier“ - eine Bettenburg für Touristen, gekrönt von den drei Zacken der 3.510 Meter hohen Aiguilles d’Arves. Da lohnt sich auch kein noch so kurzer Stopp. Also schnellstens weiter. Auf dem Weg zum Glandon machen wir noch einen kurzen Abstecher ins Landesinnere und gelangen so „versehentlich“ zu einer der spannendsten Strecken in den französischen Alpen, der Montvernier Serpentinenstraße.

 

Vom Bergdorf Montvernier schraubt sich die Traumstraße D77B über 18, sehr (!) dicht übereinander liegende Serpentinen auf nur 3 km nach Pontamafrey-Montpascal den Steilhang hinab. Die Kehren sind extrem eng und unübersichtlich. Nur ein wackeliges Geländer schützt - optisch - vor dem Abgrund. Das ist nichts für schwache Nerven. Das Wort „Fahrbahnbreite“ kann man hier getrost vergessen. Wenn hier drei Leute nebeneinander laufen hat der Vierte schon ein Problem. Extreme Vorsicht ist angesagt. Meine beste Sozia hofft inständig, dass kein Gegenverkehr kommt und bekommt Schnappatmung. Wir sind beide Col du Glandondurchgeschwitzt, als wir schließlich das Arc-Tal erreichen.
Die 22 km lange Auffahrt von La Chambre hinauf zum Col du Glandon (1.924m) ist dagegen für meine Silver Wing eine entspannte Bummeltour. Verlässt man den Lauf der Glandon, die uns zunächst begleitet, müssen Steigungen von 13 Prozent überwunden werden. In mehreren Serpentinen erklimmt das Teerband den letzten Kilometer. Oben angekommen geht der Blick zurück über die Nordostrampe talwärts, wo sich hinter dem Col de la Madeleine majestätisch der weiße Berg der Alpen, der Mont Blanc (4.810m), erhebt. Man glaubt es kaum, aber einige Reisebusse stören hier oben den weiteren Blick auf die Schönheit der Bergwelt.
Bei der Abfahrt nach Vaujany, entlang des Lac de Grand Maison, lasse ich zum Abschluss des Tages, meiner Siwi noch einmal freien Lauf. Nicht zu enge, geschwungene Kurven, die wunderbar zu fahren sind, geleiten uns talwärts. Auf den verkehrsarmen Straßen kann ich jetzt auch einmal die Gashand arbeiten lassen. Da macht „Kurven räubern“ Spaß!

 

 

 

 

 

Gap - die Hauptstadt der Hautes-Alpes

 

 

Der Blick ins Tal ist durch Wolken und Nebel leider wieder etwas eingeschränkt und lässt die Großartigkeit der Landschaft nur erahnen. Dazu regnet es mal wieder. So einen Tag wollen wir uns nicht antun und beschließen spontan, einen Ausflug nach Gap, der Alpenstadt des Jahres,  zu machen. Die Hauptstadt des französischen Departements Hautes-Alpes liegt südwärts etwa 100 km entfernt zwischen den Dauphiné-Alpen und deren Voralpen. Wir verlassen die N 91 bei Le Bourg-d`Oisans und schwingen uns am rechten Hang des tief eingekerbten Tales schnell nach oben. Unmittelbar neben der Straße fallen die Felswände steil ab. Die über den Col d’Ornon (1.371m) führende D526 verbindet La Paute im Tal der Romanche mit Entraigues im Drac-Tal. Die recht gut ausgebaute Straße ist zwar landschaftlich schön, insgesamt aber eher unspektakulär. Kaum größeren Steigungen und nur wenige Kurven. Einen Schönheitspreis gewinnt dieser Pass nicht - er hat eher das Flair einer “normalen Straße”. Auf der Suche nach dem Passschild wird die Straße immer flacher. Wir haben das Gefühl, es geht schon wieder auf der anderen Seite abwärts, als wir doch noch das Passschild sehen, dass man jedoch nur von der Südseite aus lesen kann. Wir stoßen schon bald auf die N85, die uns - kaum befahren - in weiten Kurven zügig südwärts führt. 2 Stunden später fahren wir bei nunmehr strahlendem Sonnenschein in Gap ein. Der historische Stadtkern von Gap mit seinen lebhaften kleinen Gassen und dem malerischen Platz Jean Marcellin, dem Rathaus und der Kathedrale Notre-Dame-et-Saint-Arnoux ist überaus sehenswert lädt zum Bummeln ein. Die Leute sitzen bei einem Café in den zahlreichen Bistros oder halten mit einem Baguette unter dem Arm noch schnell ein kleines Schwätzchen mit dem Nachbarn (oder der Nachbarin). Das ist französische Lebensart wie aus dem Bilderbuch.

 

 

Bildergalerie

 

 

 

 

Ausflug in die Hochalpen Savoyens - Mythos L’Alpe d’Huez

 

 

Die Passstraße den Hängen des 3.327m hohen Pic du Lac Blanc nach L’Alpe d’Huez (1.860m) bietet Kehren ohne Ende. Sie ist fast genauso berühmt wie ihre populären Kollegen Mont Ventoux oder der Col du Tourmalet. Kurz hinter Le Bourg-d`Oisans beginnt der 14 km lange Anstieg.
Bei einer Steigung bis zu 12 % sind die "21 Kehren des Satans" wie sie genannt werden zu überwinden. In Kurve 21 und 19 steht heute noch der Name Armstrong zu lesen, der dort 2001 gewonnen hatte. Auch der 2004 an einer Überdosis Kokain gestorbene Italiener Marco Pantani hat noch seine Ehrentafeln. 1997 fuhr der "Pirat" in nur 37:35 Minuten hinauf - bis heute die schnellste Zeit. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Rennradfahrer halte ich meine Silver Wing in Zaum, obwohl die gut ausgebaute Straße geradezu zur Kurvenhatz einlädt. Dafür entschädigt der Blick auf die grandiose Schönheit der Landschaft. Eine kilometerlange Gerade führt uns schließlich zum Etappenziel: in ein grauenhaftes Retorten-Wintersportressort, welchem man vergeblich versucht hat, durch Les 2 AlpesHolzverkleidungen das Flair einer Westernstadt zu verleihen. Da hilft nur ein beherzter Dreh am Gasgriff, um diesen unwirtlichen Ort schnellstmöglich hinter uns zu lassen.
Glücklicherweise gibt es weiterführende Strecken, die sich lohnen, z.B. über den Col de Sarenne. Unsere Fahrt über die D254a erweist sich als ein fahrerischer und landschaftlicher Höhepunkt. Die schmale, holprige Straße zieht sich durch ein breites Hochtal dem Pass entgegen. Gelegentlich bieten gepflasterte Wasserrinnen kleine Hindernisse, dann ist der Sattel auf 1.999m Höhe erreicht.
Die Abfahrt ist eng und steil. Einzelne Kehren sind nur im Schritttempo zu meistern. Wenn man dort eine Kurve nicht richtig nimmt, fällt man sehr, sehr tief. Immer wieder liegt Splitt oder Geröll auf dem Weg. Vor uns Schlaglöcher und rauer Asphalt. Dafür wird die Landschaft mit jedem zurückgelegten Kilometer um so schöner: neben uns gleißende Granitwände; die Wasserfälle der Cascade du Ferrand hoch oben an den Hängen und rauschende Wildbäche tief unter uns.
In Mizoën am Lac du Chambon stoßen wir wieder auf die N91 und schwenken auf die D213 ab. Die 11km lange Stichstrasse zieht sich durch teilweise tiefen Mischwald nach oben. Auf wunderbar zu befahrenden Asphalt sind 10 numerierte Serpentinen zu bezwingen, die uns hinauf zum Massif du Soreiller mit dem la Meije (3.983 m) und damit erneut ins Grauen führen. Wir haben den Skiort „Les 2 Alpes“ auf 1.650m Höhe erreicht. Betonklötze, geschlossene Restaurants, heruntergelassene Rolläden. Hier würde sich nicht einmal der Yeti wohlfühlen. Also schnellstmöglich wieder bergab. Dort erwartet uns die Barrage du Chambon und am Talausgang die wildromantische Schlucht Gorges de l’Infernet mit ihren tief in den Fels geschnittenen Kurven und langen Tunnels. So wird die Rückfahrt doch noch zum Erlebnis!

 

 

Reise - Infos

 

 

SolneigeIdeale Reisezeit :

  • Ende April bis Mitte Juli, Ende August bis Ende Oktober

Unterkunft:

  • Hôtel Le Clos Badan,  49 rue de Citeaux, 21700 Agencourt. Ideal für eine Zwischenübernachtung.
     
  • Chalet Solneige, Lieu dit Pourchery, 38114 Vaujany. Sehr empfehlenswerte Unterkunft mit netten Gastgebern. Unbedingt das Abendessen mit buchen.

 

 

Sehenswertes am Wegesrand

 

 

  • Combe Laval zwischen dem Col de Gaudissart und dem Col de la Machine
  • Die Schluchten Gorges de la Bourne und Petits Goulets
  • Das Dorf Pont-en-Royans
  • Die Grotte du Brudour.

 

 

 

 

 

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