Der wilde Süden der Toskana

 

 

 

 

Der wilde Süden der Toskana ist immer noch so etwas wie ein Geheimtipp. Weite Ebenen wechseln sich mit sanften grünen Hügeln und dichten Pinienhainen ab. Mittelalterliche Stadtfestungen sitzen auf kleinen Hügelkuppen. Wälder, in denen Wildschweine und Wölfe leben. Sand- und Felsstrände, türkisblauem Meer und heißes Schwefelwasser, das aus Felsen sprudelt. Knallroter Klatschmohn, gelb leuchtender Ginster und wild wuchernde Macchia säumen die Straßenränder.

 

 

Der Gestank der Hölle

 

 

Umflossen von den Flüsschen Lente und Meleta, die tiefe Schluchten in das Plateau geschnitten haben, erhebt sich Pitigliano, die Cittadina del Tufo, malerisch auf einem 300m hohen Tuffsteinfelsen. Der Blick auf den Ort vom Belvedere der SR 74 Maremmana aus ist unbeschreiblich! Wie aus dem Felsen gewachsen erheben sich die Häuser dicht gedrängt über der senkrecht abfallenden Felswand. Man wundert sich, dass keines über die Klippen stürzt.
Innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern geht es gemächlich zu. Ab und zu knattert ein Einheimischer mit seiner dreirädrigen Ape, die typisch italienische Zweitakter(in), durch die engen, dämmrigen Gassen. Über uns trocknet vor bröckelnden Fassaden Unterwäsche an der Leine. Einige ältere Signori stehen auf der Piazza della Repubblica bei einem kleinen Plausch zusammen. Auf einer Mauer genießen Katzen in aller Ruhe die warmen Sonnenstrahlen und wir gönnen uns erst einmal eine echt italienische Pizza.
So gestärkt und mit einer entsprechenden Knoblauchfahne unter dem Helm drehe ich den Zündschlüssel. Der Motor meiner Honda Silver Wing FJS 600 erwacht mit einem sonoren Brummen zum Leben. Einige schöne Kurven geleiten uns schnell hinab in die Fosso di Lente. Der Asphalt ist griffig und führt entlang der felsigen Südflanke von Pitigliano durch die Schlucht. Meine Siwi zieht an uralten, in den Tuffstein gehauenen Kleintierställen, Wagenschuppen und Weinkellern vorbei. Von Osten kommend erheben sich vor uns die Reste der „Rocca Aldobrandesca“. Die Ruine zeugt von der Herrschaft der Aldobrandeschi, einem Adelsgeschlecht, das im Mittelalter die gesamte Maremma beherrschte. Das winzige Dorf Sovana - der einzige Platz des Ortes ist der "Piazza del Pretorio" - hat seinen ursprünglichen mittelalterlichen Ortskern bewahrt.
Durch die Hügellandschaft der „Alta Maremma“ mit ihren Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Feldern erreichen wir Saturnia oberhalb des Albegnatales. Nur einen Katzensprung weiter liegt einer der größten Schätze der Maremma: nach Schwefel stinkendes, 40 Jahre altes Regenwasser vom Monte Amiata, einem erloschenen Vulkan. Das 37° heiße Wasser stürzt an der Cascate del Mulino in stufenförmige Sinterbecken.
Leichter Dampf steigt auf, während das türkisblaue Wasser in den weißen Kalksteinbecken im Sonnenschein glitzert. Tipp: der Eintritt ist frei!
Schweren Herzens verzichten wir auf ein Bad in den Fluten; den Gestank kriegen wir nie wieder aus den Motorradklamotten raus.

 

 

Bildergalerie

 

 

 

 

Die Tour

 

 

 

 

 

Video

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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