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Hallo Freunde,wie ja einige von Euch schon wissen, bin ich mit meinem Onkel Addi, für den es die 1.Alpentour war, nach dem 4. GTH in Hinterzarten noch für 5 Tage durch die schöne Schweiz gefahren.
Über Winterthur und Turbenthal war geplant nach Richterswil an den Zürichsee zu fahren, um in der dortigen Jugendherberge eine Nacht zu verbringen. Addi wollte dort alte Freunde besuchen, die er irgendwann mal bei einem Nordseeurlaub kennengelernt und lange nicht mehr gesehen hat.
Auf meinen Vorschlag hin machten wir einen kleinen Umweg übers Hulftegg. Vor 7 Jahren bin ich mit der Helix diese schöne Strecke gefahren und wollte das dem Silver Wing auch mal zeigen. Die schöne Aussicht vom Gipfelrestaurant dieses kleinen Passes ist wunderschön und zweiradmäßig trifft sich dort alles, was Rang und Namen hat. An diesem Tag fuhren sehr viele Oldtimersportwagen über den Pass, was unverhoffterweise noch ein zusätzliches Schmankerl war.
Mit neuer Kraft mittels eines großen Kaltgetränkes ging es weiter. Ich wäre gerne noch zum Säntis gefahren, aber das hätte wohl den zeitlichen Rahmen dieses heißen Tages gesprengt. Von unserer Kondition ganz zu schweigen, mussten wir doch trotz der komfortablen Rollersitzbänke gelegentlich anhalten, um unserem “Allerwertesten” eine Pause zu gönnen. Über den Rickenpass war bald der Zürichsee erreicht. Der Verkehr dort war enorm, nutzten doch viele Einheimische den schönen Tag zum Baden. In der Jugendherberge bekamen die Roller einen Stellplatz in der Tiefgarage und wir machten uns nach dem Bezug unseres kargen Zimmers landfein, um der Einladung zum Grillen von Addis Freunden zu folgen.
Anderntags fuhren wir nach dem Frühstück zeitig Richtung Einsiedeln, über das schöne Ibergeregg, dessen schönes Passhöhenrestaurant zum Nachtanken verlorener Körperflüssigkeiten wie geschaffen ist - schöne Aussicht inklusive.
Weiter d urch das Muotatal, über den kleinen Pragelpass, der am Wochenende für Motorräder gesperrt ist. Verständlich, er ist wirklich sehr eng und steil, verwöhnt aber unterwegs mit zauberhaften Aussichten, vor allem auf der Glarner Seite über dem Klöntaler See.
Über Glarus nahmen wir dann den herrlichen Klausenpass in Angriff, wo wir uns auf der Terrasse des alten Hotels Klausenpasshöhe ein hervorragendes Tagesmenü schmecken ließen. Das alte Hotel wird mit Stahlseilen gesichert, weil es vom Schnee im Frühling talwärts geschoben wird und dem schiefen Turm von Pisa Konkurrenz machen wollte. Es ist ganz aus Holz gebaut und ist wirklich sehr historisch.
Auch die Urner Seite des Klausenpasses hält eine wunderschöne Talfahrt bereit, wo man sich an landschaftlichen Schönheiten gar nicht satt sehen kann. Eine Stunde später war dann endlich Andermatt erreicht, aber 10 Minuten vor Ankunft erreichte uns in der Schöllenenschlucht noch eine ordentliche Dusche von oben.
Ein 4gängiges Menü entschädigte vollends für die Strapazen und Roller und Fahrer genossen die Ruhe am Abend. Natürlich mussten noch ein paar Kübel dran glauben. Am nächsten Morgen präsentierte sich das Urserental aus meinem Fenster in herrlichem Sonnenschein und ich konnte gar nicht erwarten, endlich loszufahren.
Addi genehmigte sich einen Ruhetag und ich ließ mich von der Wing den Oberalp hochziehen und vor lauter Freude hier in dieser schönen Landschaft Rollern zu dürfen, floss mir doch fast eine Träne übers Gesicht. Nach einigen Fotostopps ging es weiter über Disentis zum Lukmanierpass und obwohl vor Jahren schon mehrmals gefahren, ist es immer wieder schön, hier zu sein. Kaum über den Berg, die schnell ansteigende Wärme zu spüren, das italienische Flair im Val di Blenio, die schönen typisch italienisch anmutenden Ortschaften, das alles ist wie die Fahrt durch einen schönen Traum. Wenn ich die Reste der überall noch vorhandenen alten Passstraße betrachte, stelle ich mir vor, wie das früher mit dem Verkehr hier so vonstatten ging. Sicher war es ein viel größeres Abenteuer als heute.
B ald war Biasca erreicht und ich entschied mich durch das Val Levantina wieder Richtung Gotthard zu rollen. Dort geriet ich auf die alte Tremolastraße. War ich im Jahr 2000 mit dem Helix runter gefahren, musste der Silver Wing diesmal die bergauf Variante meistern. Es ist wie die Fahrt durch ein straßenbautechnisches Museum. Einfach toll, mit viel Muße diese uralte Kopfsteinpflasterstraße zu erfahren. Auf der Passhöhe wieder viele Biker und vor allem eine Postkutsche wie in alter Zeit, die gebucht werden kann um sich wie in alter Zeit über den Pass fahren zu lassen.
Nun, da sich der Hunger immer mehr Platz in meinem Kopf verschaffte und meinen Sinn für die landschaftlichen Schönheiten beiseite rückte, beschloss ich, über die gut ausgebaute Gotthardstraße nach Andermatt zurückzukehren um mir das am Vorabend auf der Speisekarte ins Auge gefallene Riesencordonbleu einzuverleiben. Ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Gut gestärkt ging es nochmals auf den Roller um wieder den Gotthard hoch und danach den Nufenenpass im Abendlicht unter die Räder zu nehmen. Dank der fortgeschrittenen Stunde gehörte der Pass mir ganz alleine und die Atmosphäre war einzigartig. Über den abendlich einsamen Furkapass ging die Runde dann Ihrem Ende zu.
Für den 1.Tag nicht schlecht, gelle? Aber wenn man wenig Zeit hat und nicht weiß, wie sich das Wetter entwickelt, nutzt man jede Möglichkeit um als Alpentourengenußsüchtiger auf seine Kosten zu kommen. Wenn es einen Club der Eisenärsche gibt, habe ich sicher gute Chancen aufgenommen zu werden. Übrigens die Wirtsleute erzählten noch Tage später Ihren Bekannten, das ein rollerfahrender Gast extra vom Gotthard herunter gekommen ist um Ihr Riesencordonbleu zu verzehren, um anschließend wieder hinaufzufahren. Ich glaube solche Gäste haben die da nicht so oft.
Da am nächsten Morgen die Sonne lachte und der Addi sich auch wieder soweit erholt hatte, beschlossen wir gemeinsam auf den Furkapass zu fahren um nachzusehen wie weit sich der viel zu schnell dahin schmelzende Rhonegletscher bereits zurückgezogen hat und einige Fotos dort zu machen. Allerlei Reisebusunternehmen dachten sicher das gleiche und hatten Ihre Fahrgäste aus aller Welt auf den Pass bugsiert. Nicht wenige haben unsere Roller bestaunt und uns sicher beneidet. Für kein Geld der Welt würde ich den Roller gegen einen Platz in solch einem Bus eintauschen. Jedenfalls nicht solange ich noch körperlich fit bin.
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