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Nun ist es soweit, hier unsere kleine Reisegeschichte mit unserer Hexagon GT 250 - Reise 2008 ins "Wolfsland"
Der wilde Norden fängt für uns so in der Nähe des 60 Breitengrades an. Na ob der Norden da wirklich so wild ist – wir werden sehen. An einem Samstag im Juli soll es losgehen. Mitten in der Nacht ist die Abfahrt geplant, aber die ist wetterabhängig. Es ist schwerer Regen und Sturm gemeldet. Also studieren wir im Internet und Videotext alles an Voraussagen bis wir am Ende so schlau sind wie vorher. Wir fahren um 2 Uhr los, um genügend Zeit zu haben. Man weiß ja nie. Wir haben nur sehr unzureichend geschlafen, aber was soll’s. Die Straßen sind nass, es ist natürlich stockfinster - eine gefährliche Mischung. Irgendwo im Bereich Münster liegen wir auch fast - aber eben nur fast. Wir sind ordentlich ins Rutschen gekommen. Der Schreck sitzt uns noch eine Weile in den Knochen. Dies bleibt bis Kiel aber der einzige Zwischenfall. Der Regen verschont uns bis Kiel und hier regnet es erst am Nachmittag. Also nichts wie rauf auf die Fähre und ein lecker Bierchen trinken – zum Entspannen.
Am nächsten Morgen in Göteborg ist der Himmel schon sehr stark bewölkt und es regnet ganz leicht. Wir entschließen uns trotzdem, die volle Regenmontur anzuziehen, was sich als unbedingt richtig erweist.
Nur zehn Minuten später regnet es, nein es strömt aus allen Kanälen. Aber wir fahren weiter mit Blick auf den wilden Norden. Unsere Hexagon GT macht keine Zicken, schon super das Teil. Aber dann kommt der nächste Schreck: wir geraten erneut ins Schleudern und das gleich mehrmals, keine 50 km hinter Göteborg. Erster Gedanke ist, wir haben einen Platten. Anhalten und nachsehen, aber was sieht man schon im strömenden Regen. Das Wasser steht auf der Fahrbahn. Werner fährt alleine um zu testen, ob alles in Ordnung ist. Scheint so und wir fahren weiter bis zur nächsten Tankstelle, um den Luftdruck zu überprüfen. Nein mit dem Reifen ist alles in Ordnung.
Nach einigen Stunden Fahrt im strömenden Regen, immer mit den Gedanken hoffentlich ist unser ganzes G epäck noch trocken! Nachmittags erreichen wir, nass aber glücklich, unser Ziel im Värmland. Das Haus liegt malerisch mit Blick auf den See. Wir sind trotz Regenkleidung doch sehr aufgeweicht und kalt. Im Haus funktioniert alles und so pellen wir uns erst mal auf der Terrasse aus den Klamotten, um uns dann im Haus einzurichten. Mit dem Einkaufen wird es heute nichts mehr, denn der Regen beschließt erst mal, nicht aufzuhören. So verbringen wir den Abend mit Tee und einer Banane (für jeden) und einigen Waffeln. Bei diesem kärglichen Mal fällt mir ein Satz aus Pippi Langstrumpf ein: ohne Schnupftabak verschmachten wir in dieser Hütte. Was soll’s, wir sind gesund und munter am Ziel unserer Träume. Unser „Wolfsland“. Die Hexagon durften wir bei einer Nachbarin über uns in ihrem Schuppen (den sie selber auch als Unterstellplatz nutzt) unterstellen und zwar für die ganzen drei Wochen. Karin versteht kein Deutsch und kein Englisch, aber mit Händen und Füßen kommen Werner und sie trotzdem klar. Also egal wie das Wetter die nächsten drei Wochen auch wird, die Hexagon hat auch ein Dach über dem „Kopf“.
Die nächsten zwei Tage ist das Wetter nicht mehr ganz so schlecht und so können wir uns mit allem Notwendigen versorgen. Dann wird das Wetter einfach traumhaft – jetzt ist schwitzen angesagt.
Wir machen herrliche Fahrten und entdecken auch die weitere Umgebung. Auf der Rv 45 in Richtung Mora scheint der Weg schier endlos. Dann ist es auf einmal da, so ein Gefühl wie es früher im „Wilden Westen“ die Menschen hatten, die sich auf die Trecks begeben haben. Ja man möchte immer noch weiter und weiter – einfach nicht ankommen wollen – ein eigenartiges, aber auch einzigartiges Gefühl, dass ich bisher nicht gekannt habe.
Natürlich besuchen wir auch wieder einige Touristeninformationen und nehmen einige Faltblätter und anderes Touristenzeug (Aufkleber, Käppis etc) mit. Zwei der Blätter interessieren uns besonders. Wie verhält man sich, wenn man im Wald einem Wolf oder einem Bären begegnet ?. Den Wolf soll man anschreien; na gut das wäre noch zu schaffen, aber beim Bären ist es gerade andersrum: still auf dem Boden zusammengekauert liegen. Na das dürfte schon schwieriger sein. Wir gehen öfter an den Nachmittagen in den Wald in unserer Umgebung und wir wissen, dass es dort freie Wolfsrudeln gibt!
Bei einem dieser Erkundungen kommen wir an eine Weggabelung und gerade dort wollen wir ein Foto machen. In unmittelbarer Nähe stinkt es sehr nach Verwesung. Das ist uns nicht geheuer. Schließlich weiß man ja aus den Naturfilmen, dass Bär oder Wolf ihre Beute oft vergraben, um diese als Vorratskammer nutzen zu können. Hier bleiben wir nicht lange, denn wir wollen ja nicht in der Vorratskammer landen. Wir sind auch nicht so neugierig und stochern im Unterholz rum um zu sehen, was da nun liegt. Wer weiß welches Tier uns beobachtet hat – Bär oder Wolf.
Immer wieder halte ich Ausschau auf unseren Fahrten nach Elchen, aber die bleiben auch für uns erstmal unsichtbar.
Eine gute Sache ist das in Schweden mit dem Mittagstisch – „Daggens-Rätt“. Man bekommt für ca. 7 – 8 Euro Salat, Brot, den Hauptgang, evtl. Nachtisch und immer Kaffee. Das Besondere hier am 60. Breitengrad ist, dass das Essen in Töpfen bereitgestellt wird. Draußen ist eine Tafel, damit man weiß, was es so gibt. Ist aber egal, die Schweden die reinkommen und gucken trotzdem erst einmal in die Töpfe. Ja da bedient man sich dann selber. Eine gute Sache, denn jeder nimmt ja nur das auf seinen Teller, was man von den angebotenen Speisen auch mag und es gibt keine Reste auf den Tellern.
In Ekshärad (eine sog. Versorgungsstadt) haben wir immer im Pilgrim „gespeist“. In diesem Städtchen konnte man alles bekommen. Eine lange Hauptstraße, wo es alles gab, vom Friseur bis zum Bestattungsunternehmen. Wenn alles erledigt ist, fährt man einfach in die Wildnis zurück. Deshalb haben wir die Stadt kurzerhand „Dawson-City“ getauft. Hier gibt es einen Friedhof, was an sich nichts Besonderes ist. Aber die Kreuze aus Schmiedeeisen sind behangen mit kleinen schmiedeeisernen Blättchen und bei Wind geben sie eine kleine Melodie von sich. Sommertags keine so gruselige Vorstellung, aber im Herbst bei Nebel und so. Ja da könnte die Fantasie einem schon einen Streich spielen.
Eine andere Anlaufstelle ist Värmlandsporten an der Rv 45. Värmlandsporten ist ein Hotel, wo man natürlich auch Essen kann. Auch hier gibt es das Daggens-Rätt und es ist Werners Lieblingsrestaurant, den hier kann man stundenlang sitzen bei einer Tasse Kaffee und keiner sagt was; man spürt die Freiheit des Unterwegs sein! Eine Tankstelle mit kleinem Shop ist auch vorhanden. Dieses Hotel ist im Januar immer Zielpunkt der Schweden-Rallye. Die Bilder, die im Restaurant aushängen, sind schon beeindruckend. Auch Motorradfahrer von Oldies nehmen an der Rallye teil und das mitten im Winter. Ist schon Klasse.
Eine andere Fahrt hat ins benachbarte Darlarna geführt. Die Landschaft ist bizzar schön. Die vielen kleinen und größeren Seen fangen hier an zu vermooren. Dies gibt der Landschaft ein Aussehen, als ob man in die Nähe von Hogwarts gekommen wäre. Hier könnten Elfen, Trolle und andere Fantasiewesen gut zu Hause sein. Lass deinen Blick wandern und gib deiner Fantasie Nahrung. Ach, träumen kann so schön sein.
Eine andere Art von Abenteuer und Traumerfüllung, kann man auf dem Klarälven bekommen. Hier kann man Flöße mieten, mit Zelt drauf und so. Dann kann man Abenteuer wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn erleben. Wir beobachten die Floßfahrer immer wieder, wenn wir auf dem Weg von „Dawson-City“ nach Värmlandsporten sind. Bei gutem Wetter ist das eine tolle Sache und die „Abenteurer“ haben auch viel Spaß, aber bei Sauwetter muss es auch fürchterlich sein. Ist eben nur was für „ die Harten, die in den Garten kommen“.
Eine der Reichsstraßen von „Dawson-City“ führt nach Torsby und von dort weiter nach Norwegen. Die Rv 239 ist schön zu fahren und bereitet uns immer großes Fahrvergnügen. Und dann passiert es endlich: ich entdecke gleich neben dem Straßenrand einen Elch. Ich denke, der steht da wie angenagelt aber nein, der ist echt. Also umkehren und sich das Tier des Nordens näher betrachten. So nah haben wir noch keinen Elch gesehen. Ein unglaubliches Musterexemplar. Wir glotzen ihn an und er uns, aber dem gefällt das nicht. Er dreht sich um und zurück in den Wald. Alles dauert nur zwei oder drei Minuten, viel zu kurz, um den wunderschönen Elch auf ein Foto zu bekommen. Echt schade.
Nach vierzehn Tagen super Sommerwetter wendet sich das Blatt wieder. Es ist wechselnd bewölkt und sehr windig. In der Nacht wird der Wind so stark, dass er an Fenstern und Türen rüttelt. Das Heulen des Windes hört sich manchmal fast so an, als ob Wölfe heulen - oder ist es doch das Heulen der Wölfe, die hier von unseren Haus nur paar Meter weiter im Wald leben ? Da kann es einem schon etwas unheimlich werden. Am nächsten Tag steht es dann auch in den Zeitungen. Ein Orkan ist über Schweden mit Zentrum Stockholm hinweggefegt. Mehrere tausend Menschen ohne Strom, Straßenzüge unter Wasser und was man sonst auch von hier so kennt. Der Weltuntergang war angesagt und wir hatten mal wieder Glück. Aber keine guten Aussichten für unsere Rückfahrt.
Ja viel an Sehenswürdigkeiten (Bauwerken) gibt es hier oben nicht zu sehen, aber hier kommt man ja auch wegen der Natur her. Vielleicht wäre Karlstadt eine Empfehlung. Eine schöne, moderne und junge Stadt am Vänernsee. Hier ist das Leben der Jugend zu Hause. Eine schöne Abwechslung, wenn man genug von Natur und Einsamkeit hat, ist aber nicht mit unseren Ballungszentren zu vergleichen.
Noch wenige Tage und wir müssen uns wieder verabschieden. Wir genießen den Ausblick auf den See, der besonders schön in der untergehenden Sonne liegt. Dieser Ausblick lässt die Sehnsucht in uns schon jetzt wieder wachsen und wir träumen von einem Wiedersehen.
Die Rückfahrt ist sehr wechselhaft, dass heißt, es regnet zeitweise wieder in Strömen. Zum Glück nicht bis nach Göteborg. Und in Göteborg haben wir auch wieder Sonnenschein, was uns sehr versöhnlich stimmt. Noch einmal Kreuzfahrtatmosphäre auf der Stena-Line genießen. Und dann der lange Weg nach Hause.
Am liebsten würden wir wieder umkehren und deshalb folgen wir dem Ruf des Nordens in 2010 noch einmal.
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