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Lac de Serre-Ponçon und der Angriff der Killerwespe

 

 

 

 

 

Der Lac de Serre-Ponçon, der größte Stausee Europas, liegt wie ein funkelnder Diamant zwischen dem Col de Pontis und dem Col Lebraut. Die malerische Straße, die den See umfährt, schlängelt sich in endlosen Kurven mehr oder weniger am Seeufer entlang, entfernt sich, um sich scheinbar in den Hügeln zu verlieren und taucht dann bei der nächsten Biegung Lac de Serre-Ponçonganz plötzlich vor einem herrlichen Seepanorama mit traumhafter Bergkulisse wieder auf. Bei Epinasses biegen wir auf die D3 ab, welche sich breit ausgebaut und in wunderbar entspannt zu fahrenden Kehren den Hang über dem See hochzieht. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel und lässt das türkisfarbene Wasser glitzern. Die letzten Häuser bleiben hinter uns zurück, dann sind wir endgültig auf menschenleerer Straße unterwegs. Im Bergdörfchen St Apollinaire, am südlichsten Zipfel des Écrins-Nationalparks, weist ein unscheinbares Schild auf den gleichnamigen See hin. Wir biegen spontan ab, folgen dem geteerten Feldweg hinauf und treffen auf einen idyllischen Bergsee (1.485m) inmitten fast unberührter Natur. Also Pause und die Stille genießen. Auf der Weiterfahrt passiert es dann - der Angriff der Killerwespe! Ein kleines Tierchen landet im Helm, reflexartiges Kopfschütteln - und Stich! Selber schuld, wenn man mit offenem Visier fährt. Glück im Unglück: nach einigen Kilometern durch die sonst menschenleere Pampa treffen wir einen alten Franzosen, der uns mit einem Hausmittel hilft, einer frisch aufgeschnittenen Zwiebel. Dennoch geht die Lippe auf wie ein Fahrradschlauch. Zum restlichen Verlauf des Tages ist eigentlich nur noch soviel zu sagen: die Eisvorräte unserer Unterkunft waren am Abend ziemlich erschöpft.
Ach ja, ich musste die Geschichte in den nächsten Tagen noch öfters erzählen; ich glaube jetzt mittlerweile auch, dass die Wespe mindestens 50 cm lang war und einen 10 cm langen Stachel hatte ;-)

 

 

Märkte und Funktürme

 

 

Ohne das Flair seiner zahlreichen Märkte ist die Provence kaum vorstellbar. Einer der größten findet jeden Montag in Forcalquier, einem sonst stillen Städtchen auf den kargen Höhen zwischen Banon und Manosque statt. Rund um den Place du Bourguet verwandeln sich die Gassen in einen fast grenzenlosen Basar. Es herrscht bereits reges Treiben, als ich meine Silver Wing 600 am Straßenrand abstelle. Ein verwirrendes Duftgemisch von Gewürzen, Lavendelseife, Honig, kandierten Früchten, Käse, Oliven, Knoblauch und Salami empfängt uns. Ein Markt für Händler und Bauern. Der eine bietet riesige Knoblauchknollen, der andere Tomaten, Paprika und Zucchini an. Stände mit verschiedensten Honigsorten aus den Bergen der Haute-Provence: Lavendel,- Thymian,- und Kastanienhonig. Hier hat einer riesige Büschel von frischen Lorbeer, Rosmarin und Basilikum. Daneben unzählige Obst-, Wein- und Gemüsestände neben Schmuck, Kleidern, Keramik, Kunst- und Gebrauchsgegenständen. Ein Fest für die Sinne.

Wir versorgen uns für die weitere Tour mit Ziegenkäse, herzhafter Salami und natürlich Baguette, dann geht es auf der winzigen D12 weiter nach Norden in die Montagne de Lure. Eindrucksvoll liegt der lange Gebirgsriegel vor uns, der die Haute Provence von der Drome Provençale trennt. Die Hänge sind kaum besiedelt.
Das schmale Teerband schlängelt sich recht unspektakulär in immerhin 20 Kehren und vielen teils unübersichtlichen Kurven über den Südhang die Bergkette hinauf, wo wir auf eine recht karge Gipfelregion treffen. Eine kleine Ausgabe des Mont Ventoux. Ebenfalls Funkanlagen auf dem Gipfel und die Kuppe hat die bekannte, vegetationslose Kalksteinoptik des großen Bruders. Dafür ist der Rundblick phantastisch: Auf den Monte Viso (3.148), den Mont Pelvoux (3.946), das Vercors (2.350), die Cévennes (1.600) und den Mont Ventoux (1.912). Wenige Km weiter führt uns der wenig bekannte „Pas del la Graille“ (1.597), dessen beeindruckendes Panorama sich durchaus mit höheren Pässen messen kann, in weiten Kehren durch lichten Lärchenwald talwärts zum kleinen Weiler Valbelle im Tal des Jabron. Von hieraus erreichen wir kurz darauf wieder La Motte du Caire.

 

 

 

 

 

 

 

Im Hinterland des Vallée du Vallon

 

 

Ich habe diese Tour schon in einem früheren Reisebericht beschrieben, daher hier nur die Kurzform: Wir folgen der D951 durch das Vallée du Vallon und biegen zum Lac de Serre-Ponçon ab. Die breite, gut ausgebaute Strasse des Südufers ist mit meiner Silver Wing zügig zu fahren. Dies gilt gleichermaßen für die durch ein Seitental der Durance und über den Col St-Jean (1.330 m) führende D900 nach Seyne. Die Straße ist unspektakulär und führt an den Ausläufern der Montagne de la Blanche durch eine überwiegend von Landwirtschaft geprägten Gegend. Über den Col du Fanget (1.459 m) erreichen wir auf kurvenreichen, auf oft stark geschotterten, winzigen Sträßchen, die Clue des Verdaches und die Clues de Barles, zwei kurze, aber überaus sehenswerte Schluchten. Gebirgsflüsse haben in die Felskämme aus Kalkstein tiefe Täler gegraben, die sich dann zu so genannten "Clues" verengen. Steil recken sich hier die Felsmassive gen Himmel. Die Straße drängt sich eng an den Fluss - atemberaubend! Diese Strecke ist unbedingt einen Abstecher wert!
Kurz hinter Digne-Les-Bains schwingen wir uns auf der einsamen D3 aus dem Tal der Bléone zügig den kleinen Col du Pas de Bonnet (886) hinauf. Das schmale Teerbands ist bis auf einige Unebenheiten gut und schön zu fahren. Stopps, um die Aussicht zu genießen, können wir jedoch nur an Ausweichstellen machen. Durch die dichten Nadelwälder des Forêt de Fontbelle gelangen wir über den Col de l´Hysope (1.236) auf der „Route du Temps“ über zahlreiche Haarnadelkurven zum Col de Fontbelle (1.304).
Durch die enge Clou „Défilé de Pierre-Écrite“ - die Schlucht des beschriebenen Steins; so genannt wegen einer römischen Inschrift an der Felswand - erreichen wir bald darauf Sisteron und unsere Pension.

 

 

Infos

 

 

Reisezeit:
21.09.2013. - 02.10.2013

Unterkunft:
Motorradhotel “Maison Saint Georges” / F-04250 La Motte du Caire >>>

Fahrzeug:
Honda Silver Wing FJS 600

Tagestouren:
180 - 250 km

 

 

 

 

 

Teil 2 <<< Reisebericht

 

 

 

 

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