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Samstag, den 16.05.98
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8.45 Uhr. Ich beabsichtige, um 9.00 Uhr in Richtung Schweiz zu fahren. In der Jugendherberge habe ich beim Frühstück einen Burschen aus Salt Lake City getroffen.
Der macht in 3 Monaten eine Rundreise durch ganz Frankreich. Start war in Paris. Seine Reise führte ihn über Dijon nach Grenoble. Nun will er nach Nizza, zurück über Avignon, Bordeaux und Paris.
Es ist nun 11.10 Uhr. Nach 100 km bin ich in Albertville. Unterwegs habe ich Öl gekauft. 1 Liter kostete 26 DM.
In Albertville trinke ich Kaffee. Die Hexe am Straßenrand wird immer wieder von Passanten bewundert.
Um 13.30 Uhr bin ich in Chamonix. Das Wetter ist herrlich. Vor mir liegt der Mont Blanc in seiner majestätischen Größe. Die Seilbahn zum Gipfel verschwindet in den Wolken.
Eine grandiose Landschaft umfängt mich.
Ich habe es mir nicht nehmen lassen, mit der Seilbahn auf den Aiguille du Midi zu fahren. Die Seilbahnfahrt kostete ca. 70.- DM.
Anschließend bin ich weitergefahren über den Col de Montec und den Col de la Forcelac. Nun liegt Martigni tief unter mir in einem weiten Tal. Die Straße ist ideal für Motorradfahrer, aber völlig ungeeignet für Caravans.
Ich bin dann in Sion angekommen, meinem heutigen Etappenziel. Sion ist ein schöner kleiner Ort. In der Jugendherberge war alles belegt und so bin ich jetzt in dem Gasthaus “Auberge de Simplon” abgestiegen. Ich habe für die Übernachtung 120 FF bezahlt, obwohl ich in der Schweiz bin. 120 FF sind ungefähr 40 .- DM, ohne Frühstück. Zum Glück habe ich etwas zum Essen gekauft und muss nicht hungrig ins Bett gehen. Mein Abendbrot besteht wieder aus Käse, Baguette und dem Rest einer Flasche Wein, an der ich mich seit 3 Tagen gütlich tue. Nachtisch wird eine Banane und ein Apfel sein. Es ist jetzt 19.50 Uhr.
Ich unternahm noch einen etwa dreistündigen Spaziergang und war ziemlich müde. Es ist 22.30 Uhr. Wenn ich so über die Reise nachdenke, hat bis jetzt alles einwandfrei geklappt. Der Motorroller lief ohne Beanstandung. |
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Sonntag, den 17.05.98
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Km 1.634. Gestern bin ich 245 km gefahren. Die Nacht habe ich mit fürchterlichem Lärm verbracht, die Hauptverkehrsstraße führte direkt unter meinem Fenster vorbei.
Ohne Frühstück bin ich weitergefahren. Es ist nun 10.31 Uhr und ich stehe auf dem Simplonpaß in 2.006 Meter Höhe. Eigentlich wollte ich anders fahren, über den Grimselpaß und Furklapaß, aber ich musste feststellen, dass diese noch geschlossen sind.
So entscheide ich kurzerhand über den Simplonpass zu fahren. Ich komme dann noch ein kurzes Stück durch Italien, durch Domodosolla, nach Locarno. So war es zwar nicht geplant, aber die Reise ist auch mit der Änderung sehr interessant.
Nachdem ich den Simplonpaß überwunden habe, bin ich in Masera. Die rote Lampe zur Ölstandskontrolle an der Hexe leuchtet zum ersten Mal auf. Gott sei Dank habe ich gestern schon daran gedacht und Öl gekauft. Hoffentlich ist es das richtige.
14.00 Uhr. Nach 167 km bin ich in Locarno. Ich habe hier nochmals 100.- DM gewechselt, dafür bekam ich 81 Franken und 30 Rappen. In Locarno übernachte ich in der Juhe, die ich um 16.00 Uhr anfahre.
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Montag, den 18.05.98
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Nach einer guten Nacht strahlt der Himmel wieder in schönstem Blau.
Gestern Abend kam noch ein junger Mann von höchsten 21 Jahren zum mir auf mein 2- Bett-Zimmer. Er erzählte mir, er habe heute sehr früh ein Vorstellungsgespräch im Theater Dimitrie. Er sagte, Dimitrie sei ein sehr berühmter ehemaliger Clown, der eine Schule und ein Theater gegründet habe. Ich fragte ihn, ob er Schauspieler werden wolle. Er verneinte dies jedoch, sein künstlerische Ader ginge mehr in Richtung Clown, Phantomime, Gestik, Mimik, ohne besonders sprechen zu müssen. Er macht einen sehr netten Eindruck und ich wünschte Ihm viel Erfolg. Als ich am Morgen erwachte, war er schon weg.
Ich machte einen ausgedehnten Stadtbummel in Locarno und genoss die Stunden an den Ufern des Lago Maggiore.
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Dienstag, den 19.05.98
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Abfahrt in Locarno um 8.50 Uhr. Km 1.814.
Punkt 11.00 Uhr bin ich an der Via Mala Schlucht. Unter mir in etwa 120 Meter rauscht das Wasser. Eine wilde Klamm. Vor dem ersten Tunnel, auf den San Bernadino zu, habe ich die Maschine mit dem Vorderrad verbremst und habe sie auf die Seite gelegt. Sie war nicht mehr zu halten. Die einzigen Beschädigungen sind der Träger des Koffers und ein paar leicht Schrammen.
Es ist eine grandiose Schlucht. Die Via Mala, vor über 2000 Jahren ein gewaltiges Hindernis im Nord-Süd-Verkehr, war immer eine Herausforderung für die Menschen. In der Via Mala hat sich europäische Verkehrsgeschichte abgespielt. Schon die Römer benutzten die Wege um von Norden nach Süden oder umgekehrt zu gelangen. Für Händler war sie ein Geheimtipp, der mutigen Vorteile brachte, weil das einfache Volk sich vor den bösen Geistern der Schlucht fürchtete.
Ich bin nun ich Chur, es ist 12.30 Uhr, 143 Tageskilometer.
Kurz vor dem Pfänder-Tunnel merke ich, wie es anfing zu tröpfeln. Unter einer Brücke ziehe ich meine Regenkleidung an, und als ich die Brücke verlasse, regnet es in Strömen.
Den Pfändertunnel mit 6,7 km hinter mir lassend, empfängt mich strahlender Sonnenschein, allerdings zieht sich das Wetter zu und in Lindau sieht es überhaupt nicht so aus, als ob sich das Wetter bessern wollte.
In der Ferne sehe ich aber Sonnenschein, dort liegt Friedrichshafen. Also beschließe ich vorerst die Jugendherberge in Friedrichshafen anzufahren. Wasserburg und Nonnenhorn lasse ich in schneller Fahrt links liegen und bin um 14.50 Uhr in Friedrichshafen, km 257.
In Deutschland war ich um 14.17 Uhr, km 235. Das Wetter hier macht sich einigermaßen, aber die Wolken verheißen nichts gutes.
Um 17.15 Uhr fahre ich aus Sehnsucht nach der besten aller Ehefrauen von Friedrichshafen ab und bin um Punkt 20.27 Uhr, also nach gut 3 Stunden, wieder in Esslingen. Km 1.243. Heutige Tagesleistung 428 km.
Alles ging hervorragend, der Motorroller hat sich bewährt, eine schöne Reise hatte ihr Ende gefunden.
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Ein Reisebericht von Manfred Steinacker
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