Das Ziel vor Augen - die Haute Provence

 

 

Reisen, Urlaub, Ferien Bewertung wird geladen...

 

 

Avignon

Um 17.00 Uhr starte ich mit dem Autoreisezug von Hildesheim in Richtung in Avignon. Wie schon bei früheren Touren geht es wieder einmal mit Verspätung los. Über eine Stunde stehen wir auf dem kleinen Rangierbahnhof, ohne dass sich etwas bewegt. Na, dass kann ja nur besser werden.
Am frühen Morgen des folgenden Tages erreiche ich nach einer unruhigen Nacht Avignon. Die ersten 1.000 km sind geschafft. Bei strahlend blauem Himmel und 38° im Schatten wird die Siwi abgeladen, kurz getankt - ups! 14,4 L bei einem 15 L Tank - dann bin ich schon auf der D 28 Richtung Osten unterwegs.

Von Venasque aus, das verwegen auf einem hohen Felsen über der

Murs

Ebene von Carpentras liegt, führt eine schmale Strasse zum Col de Murs (627 m) hinauf. Gegen Mittag erreiche ich Murs, wo ich meine Freunde Karl-Heinz, Wolfram und Günni treffe. Diese haben sich mit ihren Mopeds 3 Tage durch die Schweiz hierher durchgeschlagen, um mich abzuholen. Oliven, Wein und Lavendel prägen auf unserem weiteren gemeinsamen Weg das Landschaftsbild. In hübschen, oft etwas verschlafen wirkenden Orten laden kleine Bistros zur Kaffeepause ein.

Am späten Nachmittag erreichen wir nach 160 km das Städtchen “La Motte du Caire” im idyllischen „Vallee du Grand Vallon“. Umgeben von großen Obstplantagen liegt hier unsere Unterkunft “Maison Saint Georges” in einem Garten mit altem Baumbestand. Nach einer ausgiebigen Dusche klingen die letzten Stunden des Tages in geselliger Runde bei leckeren Lammsteaks und französischem Rotwein aus. Vive la France !

 

 

Kleine Pässe zum Einfahren

 

 

Da Flachländer nicht genug von Kurven und Kehren bekommen können, bauen wir zwischen

Méouge

Sisteron und Serres im Pays du Buech schnell noch einen kleinen Abstecher über die Berge und durch die Schluchten der Méouge ein. In genussvollen Kurven schlängelt sich hier die Strasse durch die kleine, reizvolle Schlucht. Der Belag ist griffig, die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel. Im Weiler La Calandre gibt es bei einer kleinen, netten „Oma“ ein 2. Frühstück mit Baguette, Käse und hausgemachter Salami - Herz was begehrst du mehr.

Ungefähr 15 km flussaufwärts vom bekannten Touristenort Buis-les-Baronnies entfernt, im Örtchen St. Auban an der Ouvèze, biegen wir zum Col de Perty (1.302m) ab. Die enge, mit zahlreichen Teerflicken ausgebesserte Strasse führt uns durch eine liebliche, fast mediterrane Landschaft zum Perty.

Einige hundert Meter geradeaus - dann eine scharfe Kurve - es folgt wieder eine Gerade. So erreichen wir die Passhöhe, wo wunderbar alte Bäume am Strassenrand Schatten spenden. Der Blick geht weit hinaus in die „Drome Provencale“ und das wild zerklüftete Bergland zu unseren Füssen. Durch Busch- und Ginsterwälder (Macchia) erreichen wir schliesslich in ungezählten, langgestreckten Bögen den Ort Laborel. Kurvig schlängelt sich das Asphaltband durch das Tal, ehe es ziemlich steil den Aufstieg zum Col de Jean (1.182m) in Angriff  nimmt. Auf der Passhöhe werden wir von einer recht schöne Aussicht auf das Montagne de Chabre belohnt. Tourlänge: 180 km

 

 

Zum Dach der Alpen

 

 

Lac de Serre-Poncon

Unser Weg führt uns heute an Europas grösstem Stausee, dem „Lac de Serre-Poncon“ vorbei. An seinen Ufern verläuft eine malerische Strasse, die ihn fast umrundet und auf deren kurvenreichen Strecke  sich immer wieder eine romantische Aussichten auf kleine Buchten und das das türkisblaue Wasser auftun. Die Berge im Hintergrund ergänzen das malerische Bild.

Der Anstieg zum ersten Höhepunkt dieser Tour, dem Col de la Bonette (2.802m) - „Dach der Alpen“ genannt - beginnt in Jausiers. Zunächst geht es noch durch ein paar grüne Wiesen, auf denen friedlich Kühe grasen. Schnell verschwinden dann jedoch die  Berghänge und machen grauem, zerfurchtem Fels Platz. Vorbei an einer alten

Col de la Bonette

Festungsanlage geht es immer weiter hinauf. Der Zustand der Strasse wechselt immer wieder  von breit nach schmal, von gut ausgebaut nach Buckelpiste. Wir haben fast die Passhöhe erreicht, als die Strasse flacher wird und sich schliesslich in einem geschwungenen  Bogen den Pass und den Cime de la Bonette hinaufschraubt. Neben dem Asphaltband sind alte Bunker in den Berg gehauen. Viele Jahre war das Gebiet ein umkämpftes Grenzgebiet zu Italien. Endlich ist der Pass erreicht.
Pyramidenartig thront der dunkle Berggipfel über den zahlreichen Roller- u. Motorradfahrern, Autos und Radfahrern. Am höchsten Punkt der Strasse ist der Stein mit Gedenktafel für das obligatorische Gipfelfoto errichtet. Wir haben von hier oben einen tollen Rundblick über den Nationalpark „Parc National du Mercantour“.

Unsere Abfahrt wird immer wieder von kurzen Stopps unterbrochen. Die Aussicht muss einfach genossen werden, dazu ist sie zu schön. Wir durchqueren die verbliebenen Ruinen eines kleinen Dorfes, welches bis 1913 von Soldaten bewohnt. war. Leere und zerfallene Gebäude zwischen hohen Bergen, von denen aus sie vor Zeiten von allen Seiten beschossen wurden. Ein recht seltsames Gefühl beschleicht mich.

Im Tal der Tinée, mit seinen steil aufragenden, weinroten Felswänden, ist der Wintersportort Isola 2000 Startpunkt für den Anstieg auf den Col de la Lombarde (2.350m), der die Täler der Stura di Demonte (Italien) und der Tinée (Frankreich) verbindet. Die Anfahrt zum Lombarde zeichnet sich durch unzählige Kehren aus. Nachdem wir die ersten steilen und kurvenreichen Kilometer des schluchtartigen Tales überwunden haben, weitet sich dieses mehr und mehr und wir erreichen eine karge, steinige Hochalm. Die Landschaft ist ein Hochgenuss der besonders steinigen Art: Fels und Geröll in allen möglichen Farben und rundum schroff dem Himmel zustrebende Berge. Nur kurz ist unsere Rast an einem kleinen Imbisswagen, der einsam auf der Passhöhe steht. Der böige Wind hier oben ist einfach zu kalt.

Abfahrt vom Col de la Lombarde

Auf der Abfahrt durchfahren wir bei einem Gefälle von bis zu 14% immer wieder schöne Serpentinengruppen. Langeweile kann da nicht aufkommen, dafür steigt der Fahrspass um so mehr. Die Strasse ist in insgesamt gutem Zustand und folgt auf den nächsten Kilometern einem gurgelnden Wildbach - der St. Anna - der aus dem Lago di St. Anna, oberhalb des höchsten Klosters Europas “Santuario di Sant'Anna” gelegen, gespeist wird. Wir erreichen nach 12 weiteren Serpentinen das italienische Vinadio. Von hier aus geht es über den Col de Larche (1.948m), einem nicht besonders  spektakulären Alpenpass, eingebettet zwischen den mächtigen Gipfeln des Tête de Moise (3.104 m) und denen des Tête de l'Enchastraye durch das Tal der Ubaye zurück nach La Motte du Caire. Tourlänge: 300 km

 

 

Grand Canyon du Verdon

 

 

Im Departement Alpes-de-Haute-Provence treffen wir auf eine grossartige, wenn nicht sogar die spektakulärste, Schlucht Europas. Der bis zu 700 Meter tiefe - allein das Hinunterschauen kann eine leichte Übelkeit verursachen - „Gorges du Verdon“ („Grand Canyon du Verdon“), zählt zu den

Grand Canyon du Verdon

grössten Canyons der Welt. Der Einstieg in den Canyon beginnt nahe der Stadt Castellane und endet schliesslich nach etwa 21 Kilometern sehenswerter Landschaft am türkisfarbenen Lac de Sainte-Croix, einem der schönsten (Stau-)Seen Südfrankreichs. Von hieraus starten wir auf der „Routes des Cretes“ durch den kurvenreichen Canyon. Der Gorges du Verdon ist eine überaus beeindruckende Schlucht, was leider nicht nur wir wissen. Dementsprechend sind wir dort nicht die einzigen Besucher. An den Felswänden kraxeln die Kletterfreaks und am “Pont de l’Artuby” stürzen sich Wagemutige am Bungeeseil 182 Meter in die Tiefe. Die Strecke am Steilhang des Canyon entlang ist dennoch eine einzigartige Traumstrasse. Auf unserer Runde auf der Höhenstrasse rund um den Grand Canyon du Verdon sind natürlich zahlreiche Stopps obligatorisch - die Aus- und Einblicke in die Abgründe der grossartigen Schlucht sind einfach zu faszinierend. Immer wieder tun sich grandiose Ausblicke von den zahlreichen Aussichtspunkten auf. Das gesamte Gebiet entlang des Verdon und die ihn umgebende mediterrane Landschaft ist im Licht der Provence von besonderer Schönheit. Die Region zählt nicht umsonst zu einer der meist fotografierten und gemalten Frankreichs.
Am westlichen Ende der Schlucht erreichen wir den kleine Weiler Aiguines. Die Abfahrt von diesem Ort hinunter zum See ist nicht ungefährlich. Dies liegt nicht einmal an der Strasse, die sehr gut befahrbar ist, sondern daran, dass unser Blick immer wieder an der Strasse vorbei auf das tiefblaue Wasser des Stausees fällt, in dem sich die Strahlen der untergehenden Sonne spiegeln. Tourlänge 300 km

 

 

Bildergalerie

 

 

 

 

 

 

 

Reisebericht Teil 2 >>>

 

 

 

 

©  by Motorroller - Info.
 Alle Daten und Angaben ohne Gewähr. Jegliche Haftung wird ausdrücklich ausgeschlossen. Irrtum vorbehalten. Sollten durch die Bilder  irgendwelche Rechte verletzt werden reicht eine kurze Mitteilung. Die Bilder werden sofort entfernt.