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Freundschaftsbesuch am Comer See
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Wofür hast du die vielen Klamotten mitgebracht ? Frage an Max Speedy, meinem leibhaftigen Freund aus dem hohen und fernen Norden, als ich seinen kleiderschrankartigen Großkoffer entdecke. Er hatte dieses Teil vorher, am Tag seiner Ankunft von ganz unten nach ganz oben geschleppt. Aber nicht nur das hatte mein Erstaunen hervorgerufen. Auch das Mitbringen der Komplettausrüstung für eine sechsmonatige Schwerstmotorradreise ließ mich in Verzückung geraten, machte mich allerdings ratlos. Dabei hatten wir uns bei durchgängigen 28 Grad Temperaturen für eine schlappe Woche zu unserem jährlichen Freundschaftstreffen in Valmadrera am Comer See eingefunden. Auf dem von mir vorher ausbaldowerten Plan, der normalerweise für die Chinesentouristentruppe vorbereitet wird, standen Tagesausflüge mit unseren Vespen.
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1. Freundschaftsfahrt
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Die erste fand am sonnigen Mittwoch statt. Max Speedy konnte Gottseidank sein komplettes Motorradoutfit anziehen während ich nur mit dünnem Jöppchen und Hartmütze loszockelte. Mein Freund bewegte die schneeweiße 125er Vespa meiner Holden; selbstverständlich ein Vollautomat mit Vollschutzscheibe. Ich war wie immer auf meiner ollen Cosa, Baujahr 1992, unterwegs. Ich fuhr dann mal vor. Dies war das eingespielte Ritual, das wir damals, während unserer Reichsstrassen 1-Reise eingeübt hatten. Und genau wie damals glitt ich mit 60 Stundenkilometer voran, mein Freund folgte aufmerksam strassenmittig fahrend, mit 25 Km/h. Man kann sich gut vorstellen wie die flotten Italiener, die meinem Freund auf der Hacke saßen, fluchten weil sie nicht an den holländischen Belgier vorbei kamen. Immer der Uferstrasse vom Comer See entlang kamen wir nach Bellagio. Hafen und tourivolle Strassen wurden von uns erklommen, die Fünfsternepromiabsteige von außen bewundert, Café getrunken und zurück gings. Unterwegs hatte ich gesehen das die Fattoria Anna in Oliveto rappelvoll war. Das konnte nur Leckeres bedeuten. Und tatsächlich hauten wir uns einen köstlichen Fischteller vom Feinsten in die Bäuche und ließen uns anschließend von unseren Nachbarn ob unserer langen Reise mit den Vespen und Auffinden einer der besten Fattoria in der Gegend bewundern. |
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Lecco, Mandello, Varenna & Co
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Am darauf folgenden Donnerstag geht’s auf der anderen Uferseite über Lecco, Mandello del Lario nach Varenna. Hier finden wir eine Fußgängerzone die teilweise in den Uferfels gehauen wurde so das man bequem immer gradaus in die Uferaltstadt kommt wo viele Ufercafes zum Verweilen einladen. Tun wir auch indem wir unseren obligatorischen Café einnehmen und anschließend weiter düsen bis Colicio. Wunderschöne Landschaft. Wir sind ganz hin und weg. Auch über die total modernisierte Hafenanlage ohne Schiffe in Colicio. Zurück bewundern wir die enggassige Altstadt von Mandello del Lario. Ein Muss das uns viel Vergnügen bereitete war der Besuch des Moto Guzzi Museums. Hier konnten wir unsere unmaßgebliche Meinung über die dollen Guzzis austauschen.
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Golfen
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Freitags wird grundsätzlich gegolft. So hatten wir es entschieden als wir eine Abschlagszeit im GC Lecco bestellen wollten. Hier eröffnete sich allerdings ein kleines Hindernis: Wir standen tags zuvor 100 Meter vor dem Clubhaus vor einer abgerissenen Brücke und mussten einen 14,234 Kilometerumweg fahren um zum Club zu gelangen. Dafür spielten wir aber dann auch die ersten Löcher super, was nicht verwundert ob der Tatsache das es sich hierbei um uralt Löcher handelt. Die zweiten Neun sind dafür um so heftiger, sprich überlang und nix für alte Säcke wie uns. Aber wir trösteten uns anschließend mit einem Menü bestehend aus frischen Nudeln mit einer hauseigenen Knofi-Sahne-Sauce. Unsere obligatorisch durchgeführte Nachmittagsruhe die stets bis in die späten Abendstunden hinein ging, sodass wir anschließend gesund zur Nachtruhe schreiten konnten, brachte an diesem Tag etwas neues hervor. Max Speedy entdeckte mit dem Feldstecher eine sechs bis acht Kilometer entfernt liegende Seilbahn auf einem Berg.
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Straffreies Autobahnvespen
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Wir rollern gen Bergamo. Heute macht Max Speedy die Vespatête. So kann ich entspannt hinter meinem Freund fahren und muss nicht warten sondern des öfteren schauen den Anschluss nicht zu verlieren. Jetzt braust mein Freund nämlich ohne Motorradjacke und -hose, nur mit kurzärmeligen Hemd und kurzer Hose sowie Hartmütze bekleidet durch die schönen Ortschaften und vor Bergamo sogar auf die für unsere Vespen gesperrte Autobahn. Irgendwann in Bergamo kann ich ihn endlich etwas ausbremsen und wir parken in der Stadtmitte. Wenige Kilometerchen zu Fuß und schon klettern wir per Funicolare in die auf einem Berg liegende Altstadt von Bergamo. Hier besuchen wir den Dom. Ich bekomme einen Energiestoß ob diesen geheiligten Ort. Mein Freund findet die Kathedrale auch schön spürt aber keinen E-Stoß. Trocken meint er das man daran wohl glauben muss. Recht hat er.
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Oldtimertreffen in Cernobbio
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Zum Touristenprogramm gehört der Besuch der jährlich stattfindenden Oldtimerpräsentation, wenige Kilometer von Como in Cernobbio. Da wir uns an der italienischen Strassenfahrordnung gewöhnt hatten störte es uns nicht das wir uns an die sieben Kilometer lange Blechlawinenschlange vorbei schlängeln müssen um vor dem Kassenhäusschen sofort umzudrehen und nach Como zurück fahren. Wir waren beide über den Völkerauflauf dermaßen erschrocken das wir schnell Reisaus nahmen. Dafür versuchten wir zweimal vergeblich den Dom von Como zu besichtigen. Beim ersten Besuch mussten wir warten bis die Messe zuende war, was uns aber zu lang wurde und nach einer Stunde später wollten wir wieder rein; es wurde aber immer noch gemesset. Also blieb uns nur noch das Finden einer guten Pizzeria um unseren Frust abzuessen. |
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Funicolare, oh ho
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Montag wartet nach einer fulminanten Schräglagenfahrt bergan das Funivia Piani d`Erna auf uns. Das ist die von Max Speedy sensationell entdeckte Seilbahn gegenüber unserem Stadtpalais in sieben Kilometer Entfernung. Wir seilen uns also rauf auf den Berg gucken die traumhaft schönen Aussichten, fühlen uns für ein paar Augenblicke wie Adler übers Nest (Lecco) und gondeln wieder abwärts um weitere Vespaschräglagen zu produzieren.
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Nachschlag
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Den am Anfang unserer Reise mitgebrachten Anhänger, der für den Transport der Vespen und Fahrräder sowie des Golfgepäcks genutzt worden war, lasse ich defekt auf dem Parkplatz vorm Stadtpalais zurück. Der wird bestimmt geklaut werden, so hoffen wir. Ist doch üblich in Italien. Aber diese Hoffnung stirbt bei unserem nächsten Besuch zwei Monate später. Der Hänger steht noch immer kaputt aber ansonsten unangetastet an dem von mir abgestellten Platz. Heute ist er wieder in seinem Heimathafen und komplett saniert um auf den nächsten Umzug zu warten.
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(c) Reisebericht / Fotos : Hanno Voß
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