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Das Centovalli – Tal der 100 Täler

 

 

 


 

 

Lago Maggiore - Blick auf das Maggiatal

Der Lago Maggiore im schweizer Kanton Tessin gehört im Westen zum Piemont und im Osten zur Lombardei. Die Region um den See ist durch ein sehr mildes Klima begünstigt. Die Bergketten der Südalpen halten im Winter die Kälte der Nordwinde fern. Palmen wachsen neben Kastanien und Agaven in den Himmel. Das Ostufer des Sees ist eher wild und karg, das Westufer hingegen beeindruckt mit einer Üppigkeit, die sich in prachtvollen Villen, Palästen und kunstvoll angelegten Gärten widerspiegelt.

 

 

 

 

 

Wir starten unsere Tour in Vira Gambarogno, einem kleinen idyllischen Ort am Ostufer des Lago Maggiore gelegen. Die Sonne scheint so erbarmungslos von einem wolkenlosen, azurblauen Himmel, dass wir uns in unseren Motorradklamotten wie in einer fahrenden Sauna fühlen. Doch wir sind heute für Kurven aufgelegt und wo könnte man das besser als im Centovalli, einem engen Tal mit verwinkelten Dörfern, die in oft spektakulärer Weise an die steilen Berghänge geklebt sind. Dazu überall Kastanienwälder soweit man sehen kann.

Kurz v

Ponte dei Saltri

or Locarno biegen wir noch auf einen Abstecher über einige enge Kurven hinauf ins Versascatal, eines der bekanntesten der Tessiner Täler, ab. Dort bietet sich die aus dem James Bond Film „Goldeneye“ bekannte Vercasca-Staumauer für einen Bungeesprung an. Der Volkskundler Giovanni Bianconi schrieb einmal: "Das Verzascatal ist das einzige Tal des Tessins, das vollständig vom Tessin selbst umgeben ist: Valle Maggia, Leventina, Riviera und das Locarnese. Würden wir das Tessin selbst mit einem süßen Pfirsich vergleichen, wäre das Verzascatal sein rauer harter Kern." Die kleinen Dörfer mit ihren markanten Kirchen kleben an den steilen Hängen hoch über dem aufgestauten Fluss Verzasca. Talaufwärts fällt die Steinbogenbrücke Ponte dei Saltri ins Auge, keine Römerbrücke, sondern im Mittelalter aufgeschichtet und mit ihren eleganten Bögen immer wieder erneuert als Weg über das grüne Wasser der wilden Verzasca.

Auf Nebenstrassen geht es nach nun nach Locarno, wo wir uns auf gefährlich eng gebauten Hauptstrassen durch die quirlige Stadt zwängen. Bei Ponte Brolla biegen wir ins Maggiatal und kurz darauf in das Centovalli (es hat 178 Seitentäler) ab, wobei uns die gute Beschilderung hilft, den richtigen Einstieg zu finden.

Stausee im Centovalli

Die Fahrt mit unserer Honda Silver Wing führt durch die Schluchten der "100 Täler" nach oben mit traumhaften Ausblicken in die Täler und die umliegenden Bergketten. Die Straße läuft überwiegend auf der sonnigen Nordseite des Tals. Wahrzeichen des Tales ist der Kirchturm des Ortes Intragna, im Volksglauben der Beschützer des Centovalli. Mit 65 Metern ist er der höchste Glockenturm im gesamten Kanton Tessin.

Es geht meist auf kurviger und gut ausgebauter Strasse rechts sportlich durchs Tal, teilweise wird die Strasse aber auch sehr schmal und verwinkelt. Diese Kurvenorgie geht über mehr als 20 km und stets werden wir begleitet von der nostalgischen Centovallibahn. Auf 52 Brücken und 31 Tunnels überwindet die 1924 eröffnete, 55 km lange Strecke eine Höhe von 836 m und gibt dabei immer wieder phantastische Blicke auf die umliegenden Berge frei.

Hinter der italienischen Grenze wird es dann ziemlich eng und plötzlich taucht dann der gewaltige Dom der Wallfahrtskirche Madonna die Re auf (Santuario della Madonna di Re) auf. Es gibt auf der Stre

Dom in Re

cke wirklich viel zu sehen und an manchen Stellen sollte man einen Zwischenstopp einlegen.
Über Domodossola und Varzo erreichen wir gleich hinter der Schweizer Grenze die berühmte Gondoschlucht; deren breite Passstraße leider kaum einen Blick in die Klamm zulässt. Zahlreiche Lawinengalerien und Tunnels haben wir auf unserem Aufstieg zum Simplonpass (2.005m) zu durchfahren. Auf der Passhöhe erwartet uns ein acht Meter hoher Steinadler, der an den 2. Weltkrieg erinnert und das alte Hospiz (13./17.Jh.) der Bernhardiner Chorherren. Der Abstieg ins schweizer Wallis erfolgt auf einer gut ausgebauten Strasse mit nur wenigen, langgezogenen Kurven. Einzig die zahlreichen unbeleuchteten Tunnel erfordern unsere Aufmerksamkeit.

In Brig mit seiner schönen Altstadt biegen wir nordöstlich in das Rhônetal ab. Im Örtchen Ulrichen (1.346m) nehmen wir den Abzweig zum Nufenenpass, dem mit 2.478m Höhe höchsten Innerschweizer Pass. 10 herrliche Haarnadelkurven reihen sich beim Aufstieg aneinander. Je höher wir kommen, umso größer werden die Schneeflecken links und rechts der Strasse. Der Passsattel bietet einen wundervollen Ausblick nordwärts auf die Berner Alpen sowie nach Südwesten auf den Griesgletscher und das Blinnenhorn (3.300 m).
Der Abstieg auf einer breiten Betonpiste durch das reizvolle Val Bedretto nach Airolo ist unspektakulär. Dafür erwartet uns hier ein Highlight des Tages, für das wir gerne einen kleinen Umweg in Kauf nehmen: Die Tremola, das „Tal des Zitterns”. Auf der Südseite des 2.100 Meter hohen Gotthards dreht und windet sich die zwischen 1827 und 1830 erbaute alte Passstrasse halsbrecherisch in gemauerten, eng übereinander liegend Serpentinen den Berg hinauf. Ihr Kopfsteinpflasterbelag verlangt uns alles ab. In 32 Kehren, wovon einige sogar eigene Namen tragen, strebt die Straße durch das Gotthard-Massiv zur Passhöhe hinauf.
Auf dem Gotthardsattel, der im Osten vom Lago della Sella und im Westen vom Lago di Lucendro eingeschlossen ist, bietet sich uns eine beeindruckende Aussicht bis zum Gipfel des Piz Centrale (3.001 m) und des Winterhorns (2.661 m).

Tremola

Über die neue Südtrasse mit ihren bestens präparierten Kehren geht es zurück. Wir durchfahren das Valle di Blenio, das „Tal der Sonne“. Der Name trifft zu - es wird immer wärmer. Über 30 Grad zeigt das Thermometer und Mediterraner Duft liegt in der Luft. Wir sind wieder im Tessin, dem Sonnenbalkon der Schweiz. Begleitet von bis in die Höhen bewaldeten Steilhängen, vorbei an Weinbergen, Palmen und waghalsig am Berg gelegenen Steinbrüchen erreichten wir Biasca und schließlich die mit ihren 3 Burgen unübersehbare Stadt Bellinzona.

Der Hauptstrasse 13 entlang des Flusses Ticino folgend machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Monte Motti (1.748m), wo wir von der Terrasse einer kleinen Osteria eine herrliche Aussicht auf die Magadino-Ebene, den Lago Maggiore und das Gambarogno haben. So endet dann ein wunderbarer Tag im herrlichen schweizer Tessin.

 

 

Bildergalerie

 

 

 

 

Sehenswertes am Wegesrand

 

 

Brig: Die Stadt Brig mit ihrer historischen Altstadt und dem Stockalperpalast

Locarno: Wallfahrtskirche Madonna del Sasso in Orselina/Locarno (Auffahrt mit Standseilbahn)

Centovalli: Fahrt mit der Centovallibahn von Locarno nach Domodossolla, ein herrliches Erlebnis.

Bellinzona: drei Burgen, Wehrmauern, Mittelalterlicher Stadtkern und Unesco-Weltkulturerbe

Brisago Inseln/Parco Botanico del Canton Ticino: 1885 angelegter Botanischer Garten, der mit ca. 1.500 Pflanzenarten vom Mittelmeerraum, der Subtropen Asiens, Südafrikas, Amerikas und Australiens bewachsen ist.

 

 

Wissenswertes

 

 

Tourlänge ca. 300 km

Zeit: 2005

Ziel: Lago Maggiore/Schweiz, 6574 Vira (Gambarogno)

Motorroller: Honda Silver Wing 600

Essen/Trinken:
Ristorante La Fosanella, 6574 Vira (Gambarogno) / Fosana (sehr empfehlenswert)
Grotto/Osteria „Da Andre“, Monte Motti

 

 

Die Strecke

 

 

Vira Gambarogno - Muralto - Val Verzasca - Locarno - Ponte Brolla - Intragna - Masera - Varzo - Simplon Pass - Brig - Gluringen - Ulrichen - Nufenen Pass - Airola - Tremola/Gotthardt Pass - Biasca - Bellinzona - Mone Motti - Vira Gambarogno

 

 

Unterkünfte

 

 

Ristorante La Fosanella, 6574 Vira (Gambarogno) / Fosano; Studio-Zimmer mit spektakulärer Seesicht, ca. 59 €/Pers.

 

 


(c) Text/Fotos : Ralf Beelitz

 

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